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Mein Hund genießt sein Rentnerleben

.. und hinterläßt mich mit meinem Gefühlschaos

 

Es ist ein Gefühlschaos.
Mit ein paar Zeilen ist es nicht getan.

 

In der Vermittlungsphase erfuhr ich immer wieder mal Unverständnis, dass ich den Hund abgebe, jetzt wo er seinen Dienst nicht mehr leisten kann. Dann versucht man sich zu rechtfertigen, obwohl man dazu nicht verpflichtet ist und das Gegenüber oft gar nicht verstehen will. Da kam dann schon mal, "... na bevor er ins Tierheim muss...". Bei den Anforderungen an das neue Zuhause stieß ich teilweise auf Unverständnis, wieso soll der Hund nicht allein bleiben.

 

Zum einen ist man froh, dass es noch so gut funktioniert, dann wieder ein schlechtes Gewissen, wenn es dem Hund schwerer fällt z. B. beim Treppensteigen zögert oder hinkt. Auf der anderen Seite, wenn ich nur mit ihr die üblichen Gassirunden gehe ist sie nicht ausgelastet und unzufrieden. Das schaukelt sich dann an der Leine hoch. In meinem Fall auch die Zeit im Nacken, dass eine neue Versorgung ansteht und man im Geiste schon plant, wie es mit 2 Hunden laufen könnte/ müsste.

 

Die Entscheidung für oder gegen einen potentiellen Halter fällt nicht leicht.

So werden sich Eltern fühlen, wenn das Kind mit dem 1. Freund(in) ankommt. Niemand scheint gut genug. Letzten Endes wird der Hund aber schon zeigen, ob er mit den Leuten klar kommt oder nicht. Natürlich habe ich im Vorfeld aussortiert bevor man sich trifft. Auf alle Fälle sollte eine sehende Person des Vertrauens dabei sein. Man bekommt ja doch nicht alles mit.

 

Ich selbst fühlte mich schlecht, als ich sie abgab. Ich hatte das zwar im Hinterkopf als Option, als es dann aber dazu kam, brach ich in Tränen aus.

Ich machte mir Vorwürfe, in wie weit ich Casey nun enttäuscht habe und sie Menschen künftig misstraut.

 

Es dauerte einige Tage in denen ich abends unter Tränen einschlief. Tagsüber konnte ich mich ganz gut ablenken.

Ich begann ihr Bett zu waschen und die Näpfe zu reinigen. Die Handtücher und Leinen hatten es ebenfalls nötig. Am Abend ertappte ich mich dabei: "..den Müll kannst Du nachher mitnehmen, musst ja noch einmal raus. Ach ne, musst Du nicht, also jetzt Müll raus bringen...". Um die Plätze, an denen Casey gerne lag, machte ich einige Zeit noch automatisch einen Bogen. Manchmal glaubten wir sie durch die Wohnung tippeln zu hören oder im Bett schnarchen zu hören.

 

Auf der anderen Seite kann ich nun am Wochenende doch einmal länger liegen bleiben und muss nicht bei Wind und Wetter Gassi gehen. Obwohl ich gerade am Wochenende auch wieder die Spaziergänge vermiss. Schnell macht man es sich dann auf dem Sofa gemütlich. Irgendwer hat auch meine Hosen enger genäht. Als kleinen Ausgleich, nehme ich zumindest die Treppe auf Arbeit in den 4. Stock.

Vergangene Woche bin ich dann mit Langstock zum Friseur. Es ist doch eine ziemliche Stocherei mit dem Stock und man erinnert sich an das zügige und flotte laufen mit Casey.

 

Eine Bekannte fragte mich, ob es leichter sei, wenn man weis, der Hund lebt und hat es gut?

Meiner Meinung nach nein. Ajax ist damals zu Hause an Krebs gestorben. Sicher habe ich auch lange getrauert, aber ich habe ihn bis zum Schluss begleitet. Bei Casey werde ich das schlechte Gewissen nicht so recht los. Auch wenn ich weis, es geht ihr gut und ich hätte ihr nicht Das geben können, was sie gebraucht hätte. Letztlich muss ich Vertrauen in meine Entscheidung und in die neuen Halter haben. Mit der Übergabe des Hundes habe ich die Verantwortung in deren Hände gelegt.

 

Über die Zukunft mach ich mir nicht so recht Sorgen. Das lass ich auf mich zukommen. Natürlich begleitet mich dann immer wieder die Angst, kommt es zu Beißereien, frisst der Hund Giftköder o. ä. Die zum Teil unqualifizierten Bemerkungen oder Fragen, wenn man mit Hund ins Geschäft kommt oder in eine Arztpraxis will, kenne ich ja. Da darf man sich nicht  unterbuttern lassen. Glücklicherweise überwiegen die positiven Erfahrungen und Resonanzen. Dort wo wir nicht willkommen sind, die brauchen dann unser Geld nicht. Dann bringe ich es eben woanders hin.

Schwer ist es mit Hund eine Wohnung zu finden, auch wenn es ein Führhund ist. Als ich damals aus der gemeinsamen Wohnung, des Freundes und mir, auszog ließ mich die Krankenkasse bezüglich Mobi, im Regen  stehen. In dieser Zeit, wuchs ich mit dem Hund noch enger zusammen.

 

Schließlich muss ich zum Wohle des Hundes entscheiden, ob ich ihn abgebe oder behalte. Das sollte immer an 1. Stelle stehen.

Bevor man sich für einen Hund entscheidet, sollte man sich genau überlegen, was das bedeutet. Jeden Tag mindestens 3 mal Gassi gehen. Egal wie das Wetter ist und wie man sich fühlt. Der Hund macht auch zusätzlichen Dreck und bedeutet auch Arbeit, sowie Kosten.

 

Gibt es jemanden, der sich mal im Notfall um das Tier kümmern kann. Was bedeutet ein Hund  für Urlaubsreisen? Bin ich überhaupt charakterlich in der Lage einem Hund die notwendige Führung und Sicherheit zu geben? 

 

Jetzt schweife ich aber so richtig ab. Ich verdanke beiden Führhunden sehr viel. In wie weit ich den Arbeitsplatz bekommen hätte, wenn sich Ajax nicht direkt in die Herzen eingeschlichen hätte? Wie ich ohne Casey private Tiefschläge verarbeitet hätte? Ich habe die Entscheidung für einen Führhund nie bereut, auch wenn es nicht immer leicht war. Um so wichtiger die Entscheidung, Casey in liebe Hände abzugeben. Auf diesem Wege kann ich ihr vielleicht etwas davon zurück geben. Ich wünsche ihr noch viele schöne und aktive Jahre. Hoffentlich muss sie nicht leiden.

 

Fam. Vogl und ich haben uns zwar vorgenommen in Kontakt zu bleiben, in wie weit mir das gelingt wird die Zeit zeigen.

Was soll man auf Dauer besprechen? Es sind ja doch 2 völlig verschiedene Familien und Leben.

 

Mit freundlichen Grüßen
Silvia Pieler

 



Autor: root -- 02.03.2019 16:38:13


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