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Ein etwas anderer Hundespaziergang

    

Anna Dobrovnik (Name geändert), unter anderem Gespannprüferin für Blindenführhunde, lud Mitte August 2011 zusammen mit dem Verein für deutsche Schäferhunde Führgespanne zu einer Hundewanderung in einer bayerischen Metropole ein.


Grace und ich hatten mit Schäferhunden in letzter Zeit nicht gerade positive Erfahrungen gemacht. Sie wurde sogar einmal von einem Schäferhund attackiert, dessen Besitzer ganz genau wussten, dass ihr Hund mit anderen Hunden nicht sozial verträglich ist. Diese Hundewanderung sah ich als gute Möglichkeit für uns beide, unsere vorhandenen Ängste gegenüber diesen Hunden etwas abzubauen.


Sascha, Bruno, Grace und ich brachen an dem Tag relativ früh auf, da wir aufgrund einer Stellwerkerneuerung einen größeren Umweg fahren mussten. Insgesamt brauchten wir für eine sonst knapp einstündige Strecke über zwei Stunden.

    

Am Bahnhof wurden wir schon von Gerlinde erwartet. Wir wurden am Bahnhofsvorplatz von einem Vorstandsmitglied des Vereins für Deutsche Schäferhunde in Empfang genommen und mit Kleinbussen zum Vereinsgelände gefahren. Dort bekamen die Hunde erst einmal Wasser. Wir Zweibeiner setzten uns an Tische und warteten auf die nach und nach eintreffenden Gespanne. Insgesamt kamen 10 Führgespanne unter anderem aus Marburg, Darmstadt, Stuttgart oder Nürnberg.


Ein Gespann reiste kurz nach Beginn der Wanderung wieder ab... Es war schon eine seltsam militärische Atmosphäre. Immer wieder hörte man Besitzer, die auf ihre Hunde einbrüllten, egal, um was es ging... Da gab es kein „Hier bitte, dort kannst du trinken.“ Nein, das Kommando „Sauf“, woraufhin der Hund gierig trank, war zu hören. Auch hörten wir immer wieder Hunde bellen, undefinierbare Schläge oder Jaulen, was sicher kein freudiges Fiepen war...

    

Natürlich ist uns allen klar, dass unsere Hunde keine vermenschlichten Schoßhündchen sind, aber ich glaube auch Schäferhunde haben gute Ohren und würden sich freuen etwas netter angesprochen und behandelt zu werden. Auch über die Verwendung von Stachelhalsbändern wurde in unserer Gegenwart diskutiert. Eine Frau, die gerade mit ihrem Hund trainierte schien von dieser Art der Hundeerziehung angetan zu sein...
Es waren einige Hundehalter anwesend, aber leider stellte sich der Großteil nicht vor und wir bekamen auch deren Hunde nicht zu Gesicht. Grace wurde nicht die Möglichkeit gegeben mit einem sozial verträglichen Schäferhund Kontakt aufzunehmen.


Nachdem wir über eine Stunde gesessen hatten, gingen wir dann auch los. Unter einer Hundewanderung stelle ich mir einen Weg vor, auf dem die Hunde natürlich größtenteils frei laufen können, baden und sich abkühlen dürfen bei den doch sehr heißen Temperaturen und einfach mal Hund sein dürfen, denn sie brauchen den Ausgleich von ihrer sonst so anspruchsvollen Führarbeit. Unsere beiden sind da ja etwas verwöhnt, da wir eher ländlich wohnen und sie daher ausreichend Freilaufmöglichkeit haben. Dieses Glück haben aber nicht alle Führhunde.


Nach einer Vorstellungsrunde und einer kurzen Beschreibung der nun folgenden Wanderung ging es dann endlich los. Als ich hörte, dass die Hunde nur kurz laufen dürfen, da wir durch ein Wohngebiet laufen würden und uns auch nicht weit von einer Straße entfernen werden, wär’ ich am liebsten gleich wieder gefahren. Dafür war ich nicht gekommen...


Die ganze Truppe, begleitet von Vereinsmitgliedern ging dann doch etwas ungeordnet los. Ich hatte Gerlinde schon wohlwissend als Begleitperson mitgenommen... Dies war auch nötig, da sich die Begleiter nicht von selbst um die Führhundhalter kümmerten, die ohne Begleitung angereist waren und ihrer eigenen Wege gingen. Erst nach mehrfacher Aufforderung von Gerlinde wurden diese Personen geführt. Problematisch stellte sich auch dar, dass unsere Organisatoren teilweise ihre Schäferhunde mitnahmen, die aber größtenteils angeleint blieben und nicht mit unseren Hunden in Kontakt kamen. Wieso weiß ich nicht, wird aber seine Gründe gehabt haben...

    

Die sehenden Begleiter kannten leider das Gelände nicht, sodass es dann auch vorkam, dass unsere Hunde eine Familie beim Grillen besuchten oder einen See entdeckten. Ich fand es sehr verwunderlich, da ich davon ausging, dass die Schäferhunde auch außerhalb des Vereinsgeländes laufen dürfen und für die verschiedenen Prüfungen auch in dem direkt angrenzenden Gelände trainiert wird. Anscheinend ist dem aber nicht so und wir waren dann auch immer wieder überrascht von den Gegebenheiten. Die Hunde abzurufen ist natürlich schwer, wenn sie schon freudig baden oder etwas Fressbares entdeckt hatten... Dies wäre vermeidbar gewesen, wenn ein Organisator am Anfang der Gruppe gelaufen wäre und uns rechtzeitig gesagt hätte, was kommt. Die Hunde bekamen einige Male Gelegenheit zum Freilauf und genossen auch die Bademöglichkeit sichtlich. Wieso der Wald eher gemieden werden sollte, habe ich nicht verstanden. Alles in allem haben wir zwei Stunden für 5 km gebraucht.


Wieder im Vereinshaus angekommen tranken unsere Hunde ausgiebig. Wo sich die Schäferhunde befanden, weiß ich nicht. Aber es gibt wohl Boxen, in denen sie sich in ihrer „Freizeit“ aufhalten dürfen. Beim Mittagessen konnten sich die Teilnehmer austauschen.


Zwei Stunden später brachen wir dann wieder in Richtung Bahnhof auf. Die Hitze hatte doch geschlaucht und die Hunde hatten eh keine Möglichkeit mehr frei zu laufen oder sich irgendwo abzukühlen.


Mein Fazit:

Es war ein interessanter, aber doch etwas befremdlicher Tag. Und ich glaube Grace ist froh mein Führhund geworden zu sein. Sie hat einen sie fordernden Job und bekommt in ihrer Freizeit ausreichend Gelegenheit durch Spaziergänge und Sozialkontakte zu anderen Hunden einen Ausgleich zu finden. Und natürlich wird Madame auch ausreichend verwöhnt. Dies kann gar nicht so falsch sein, denn Grace ist ein lebhafter Hund, die Spaß hat und ihr Leben in vollen Zügen genießt. Da braucht es auch kein Anschreien, Stachelhalsbänder oder ständiges angeleint sein mit Ball am Halsband......


Jacqueline Flor & Grace



Autor: root -- 15.09.2011 11:46:01


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