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Brunos Puls blieb ruhig

 

„Bruno steht jetzt hier in der Mitte. Wer mag kann kommen und einmal versuchen, ihm den Puls zu fühlen.“ Frau Dr. Angelika Dura hielt uns einen sehr vielseitigen Vortrag aus tierärztlicher Sicht, zu dem neben Rassenbeschreibungen, typischen Erkrankungen einzelner Rassen und ihre Prävention auch die Frage gehörte, welche gesundheitlichen Kontrollen kann der blinde Führhundhalter selbständig durchführen. Und Bruno hatte nicht nur einen bemerkenswert ruhigen Puls trotz Hitze, sondern ertrug geduldig viele tastende Hände, die nach seinem Puls suchten und erfreut feststellten, dass seine Bauchdecke ganz weich und entspannt war.


Sechs Führhundinteressenten – vier davon mit ebenso interessierten Angehörigen – waren der Einladung von Dogxaid nach Fulda gefolgt zu einem Wochenende, das vollgepackt war mit Informationen und Erfahrungsmöglichkeiten. Ein ebenfalls sechsköpfiges Team und 4 Hunde standen bereit, durch das Programm zu führen und jede aufkommende Frage zu beantworten.
Nach einem Austausch über Erwartungen und den augenblicklichen Stand im Entscheidungsprozess gab Herr Wolfgang Mader  als Rechtsanwalt einen Überblick über die möglicherweise notwendigen rechtlichen Schritte bei der Beantragung und klärte über Rechtsfragen im Alltag mit einem Führhund auf.


Angereist waren auch die Führhundschulen Becher und Rehm/Zehring, und mit insgesamt 11 Hunden machten wir uns gemeinsam auf zu einem Abendspaziergang in zwei Kleingruppen; Hunde an der Leine, Hunde im Freilauf, die Hunde im Spiel ... Würde Oleg wirklich auf mein Rufen hin zurückkommen?

 

 Oleg, schwarzer Labradorrüde

 

Bild 1: Labradorrüde Oleg


Am Samstagmorgen zwang uns die schon früh sehr gestiegene Temperatur dazu, das Programm den Belastungsgrenzen der Hunde anzupassen. Die Sonne brachte die Straßenoberfläche zum Kochen, und die Probeläufe mit den Hunden mussten bis 10.30 Uhr abgeschlossen sein. Da ging’s die Straße entlang, um die Ecke, über eine Nebenstraße, ums Bushäuschen herum bis zur Ampel und eine mehrfach unterbrochene Treppe hinauf wieder zum Hotel. Die Hunde hatten sich wirklich eine Dusche aus der großen Gießkanne verdient!

 

Gita, erste Schritte mit Luna

 

Bild 2: Gita, erste Schritte mit Luna


In Gesprächsgruppen erfuhren wir nun näheres zu Ernährung, Pflege, Berufs- und Familienleben mit Hund, über sein Älterwerden, seinen Ruhestand und sein Sterben. Auch hier stellten sich nicht nur alle Teammitglieder unseren Fragen und informierten sich über die jeweilige Situation des Interessenten, nein auch die Vierbeiner ließen sich striegeln, bürsten und kämmen.

 

Bruno, Labradorrüde gelb  

 

Bild 3: Bruno auf dem Pflegetisch


Das Nachmittagsprogramm begann mit einem Einblick in den Alltag einer Führhundschule, und wir konnten im Detail erfahren, wie ein kleiner Welpe langsam zu einem erwachsenen Führhund wird. Hier trugen die Beiträge der erfahrenen Führhundhalter dazu bei, dass die Neulinge eine erste Ahnung davon bekamen, welche Kriterien bei der Wahl der Führhundschule eine wichtige Rolle spielen können und sollten.


Das einführend schon erwähnte Referat der Tierärztin hinterließ bei uns etwas gemischte Gefühle; einerseits machte sie viel Mut dazu, dass ein aufmerksamer Umgang mit dem Hund, sorgfältige Pflege, eine routinierte Kontrolle und ein vertrauensvoller Kontakt zum Tierarzt viel an möglichen Gefahren für die Gesunderhaltung gering halten oder abwenden können; andererseits mussten wir uns klar machen, dass es auch Hunde gibt, die nur einmal im Jahr zu ihrer tierärztlichen Kontrolle gehen müssen und sonst ohne dramatische Erkrankungen alt werden können.

 

Luna, Labradorhündin gelb  

 

Bild 4: Labradorhündin Luna


Frau Almut Schrader leistete am Sonntagmorgen noch einen wichtigen Beitrag zur Abrundung dieses großartigen Informationspakets. Zunächst spazierte sie mit uns anhand anschaulicher historischer Dokumente durch die Geschichte des Führhundwesens, landete dann aber mit uns wieder im Für und Wider des Alltags mit einem Führhund heute. Sehr hilfreich waren auch ihre Schilderungen zum Ablauf einer Gespannprüfung; sie listete nicht nur auf, was sie als Gespannprüferin von diesen gemeinsamen Stunden am Ende der Einschulung erwartet, sondern legte uns den Wert dieser Prüfung und ein gutes Miteinander aller Beteiligten regelrecht ans Herz.


Wir können den Referenten, den Führhundschulen und dem Team aus Frank und Gisela Bernecker, Jacqueline Flor, Peggy Jacob, Petra Jaroslawsky, Gerlinde Pöllmann (alle vom Verein Dogxaid e.V.) und Sascha Schulze (Gast des AK Führhunde vom BBSB) nur von Herzen danken für die ausgezeichnete Vorbereitung (die Vorweginformationen waren ausgesprochen durchdacht und hilfreich), für die gute Organisation während des Wochenendes, die schon erwähnte Offenheit, sich allen Fragen und Wünschen nach konkreter Erfahrung zu stellen, und dafür, dass wir nun im Nachhinein auch noch eine ausführliche Dokumentation der Tagung erhalten sollen. Und ein Danke an Bruno, Ella, Grace, Indra, an Oleg, Cliff, Astor, Emil, Filou, Luna und Nora, dass sie all unsere Annäherungsversuche trotz unerträglicher Hitze und vieler unbekannter Menschen und Hände so tapfer ertragen haben.


Hildesheim 12.7.2010
Margrita Appelhans, Führhundinteressentin

 

 

Emil, heller Labradoodlerüde

 

Bild 5: Labradoodle Emil 

 

 Nora, Golden Retriever Hündin

 

Bild 6: Golden Retriever Hündin Nora

 

 

Bericht über das Interessentenseminar für Führhundhalter vom Verein Dogxaid e.V.
Datum: 09. – 11.07.2007
Ort: Hotel Berghof Petersberg bei Fulda

 

Vom Freitag, den 09.07.2010 bis Sonntag, 11.07.2010 fand im Hotel Berghof in Petersberg bei Fulda ein Seminar für Führhundinteressenten statt. Der Veranstalter war der Verein Dogxaid e.V. Als Vertreter des Arbeitskreises für Führhundangelegenheiten im Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund nahm ich an dieser Veranstaltung, natürlich in Begleitung meines Führhundes Bruno, als Gast teil.


Sechs Teilnehmer mit ihren vier Begleitern, sowie die Führhundschulen Becher, Rehm und Zehring waren anwesend.  Desweiteren die Mitglieder von Dogxaid e.V.: Jacqueline Flor mit Führhündin Grace, Peggy Jacob mit Führhündin Ella, Gerlinde Pöllmann, Gisela und Frank Bernecker mit Führhündin Indra und Petra Jaroslawsky.


Auch Almut Schrader, Gespannprüferin, war unter den Anwesenden. 


Bei der Vorstellungsrunde hatten alle Anwesenden die Möglichkeit, ihre Erwartungen, die sie an das Seminar hatten, zu schildern.


Nach einer Pause hielt dann Herr Rechtsanwalt Mader einen interessanten Vortrag über die rechtlichen Grundlagen bei der Beantragung und beim Zusammenleben mit dem Führhund.
Es ging u.a. darum, welche Berechtigung dem medizinischen Dienst bei der Befragung von Führhundinteressenten zukommt, ob der BFH Eigentum der Kasse oder des Halters ist, wie man damit umgeht, wenn man mit dem Führhund in Geschäften u.a. abgewiesen wird und um vieles mehr. Die Teilnehmer zeigten sich äußerst interessiert und konnten dem Vortrag gut folgen.
Gegen 19 Uhr traf man sich zum gemeinsamen Abendessen. Das Hotel schien mit der Bewirtung der Gäste etwas überfordert zu sein, da viele sehr lange auf ihr Essen warten mussten.
Gegen 21 Uhr traf sich die Gruppe vor dem Hotel, um einen gemeinsamen Spaziergang mit den Hunden der Führhundschulen und deren Trainern, sowie den anwesenden Führhundhaltern und ihren Vierbeinern zu unternehmen. Die Teilnehmer liefen in zwei Gruppen. Eva Rehm, Kathrin Zehring, sowie Yvonne und Thomas Becher unterstützten die Gruppen. Auch Almut Schrader, Gespannprüferin, nahm an dem Spaziergang teil. Den Interessenten wurde erklärt, wie sie mit den Hunden im Freilauf umgehen sollten, wie diese sich verhielten, ob sie spielten tobten oder ähnliches.
Alle Interessenten, die wollten konnten auf dem Spaziergang unter Anleitung eines Trainers einen Hund an der Leine führen und Freilauf und Unterordnung mit ihm durchführen.


Den Teilnehmern wurde erklärt, wann gelobt, aber auch wann ein Hund mal getadelt werden musste. Der Schlingel war in diesem Fall mein Bruno, der es nicht lassen konnte, bei einem jungen kastrierten, schwarzen Labradorrüden immer wieder aufzureiten. Das kann natürlich nicht geduldet werden, und ein kräftiger Griff ins Nackenfell und ein scharfes nein sagten ihm, dass er das zu unterlassen hätte.


Auch ein junger kastrierter Flatcoated-Retriever-Rüde musste einmal zur Ordnung ermahnt werden, was dem Teilnehmer, der ihn beim Spaziergang führte, vermittelt wurde.
Natürlich bekamen die Teilnehmer auch gesagt, wie ein Hund gelobt wird, dass stimmliches Lob und in manchen Situationen Leckerlis für den Hund die Motivation darstellen, auf den Halter zu hören.

 

Männerfreundschaft zweier Hunde  

 

Bild 7: Männerfreundschaft zwischen Emil und Astor 

 

Nach dem Spaziergang saßen wir noch bis gegen Mitternacht  vor dem Hotel gemütlich zusammen. Einige tranken Cocktails, die das Sommerabend-Feeling perfekt machten.

Am Samstag ging es auch schon wieder sehr früh los. Aufgrund der großen Hitze, die das ganze Wochenende über herrschte, trafen sich die anwesenden Führhundhalter mit ihren BFHS, die Trainer mit ihren Hunden, sowie zwei der Teilnehmer um sieben Uhr zum gemeinsamen Morgenspaziergang.


Anschließend wurden die Hunde gefüttert.

Dann freuten wir uns alle auf das reichhaltige Frühstücksbuffet, das im Hotel Berghof immer für einen guten Start in den Tag sorgt.

 

Gegen 9 Uhr begann dann die Arbeit in drei Kleingruppen. Eine Gruppe durfte mit einem Führhund unter Anleitung der Trainer im Geschirr laufen, die zweite Gruppe erfuhr Wissenswertes über Pflege und Ernährung des Führhundes und die dritte Gruppe wurde über das Leben mit dem Führhund in Alltag und Beruf informiert.

 

Da die Hitze immer stärker wurde, mussten die Gruppen nach einiger Zeit ihre Arbeit unterbrechen damit alle Interessenten noch mit einem Führhund laufen konnten. Denn gegen Mittag war die Hitze für die Hunde zu groß, um dies noch zu gewährleisten.


Gegen 11:30 Uhr fanden sich die Gruppen Ernährung und Pflege und Zusammenleben mit dem Führhund in Alltag und Beruf wieder zusammen.
Als Gast konnte ich an allen drei Gruppen teilnehmen. Bei der Pflege auf dem Putztisch, welche die Teilnehmer an den Hunden durchführen konnten, kamen Labradordame Ella, der Flatcoatet-Retriever Astor und mein Führhund Bruno zum Einsatz. Willig ließen es sich die Hunde gefallen, dass an ihnen herum gestriegelt oder sie abgetrocknet wurden, nachdem sie zuvor zwecks Abkühlung mit dem Wasserschlauch geduscht worden waren.


Zum Thema Ernährung referierten Frank Bernecker und Peggy Jacob, was beim Trockenfutter, Nassfutter oder bei der Frisch- und Rohfütterung zu beachten ist.
Auch die Gruppe zum Thema der Führhund in Beruf und Alltag war sehr interessant. Jacqueline Flor und Petra Jaroslawsky berichteten, was zu Hause, auf Reisen, sowie bei der Arbeit im Zusammenhang mit dem BFH zu beachten ist. Außerdem konnten die Teilnehmer ihre Lebenssituation schildern, sowie auch ihre Bedenken, die einige hatten, ob sie einem Führhund gerecht werden könnten.

 

Grace, Labradorhündin braun

 

Bild 8: Grace würde lieber baden gehen ;-))

 

Ab 12:45 Uhr konnten sich die Teilnehmer beim Mittagessen stärken und die Eindrücke des Vormittags auf sich wirken lassen.

Am frühen Nachmittag gegen 14:30 Uhr ging es weiter. Die Führhundschulen Rehm und Zehring stellten ihr Ausbildungskonzept vor. Sie erzählten, wie die Hunde ausgewählt werden, welche Rassen bevorzugt zur Ausbildung kommen, wie die Einschulung mit dem Halter abläuft und vieles mehr. Die Teilnehmer waren sehr beeindruckt, wie offen die Trainerinnen auch auf Fragen antworteten, die positive Verstärkung, bzw. Abstrafen des Hundes betrafen.

 

Nach einer kurzen Pause erwartete die Teilnehmer ein Vortrag der Tierärztin Dr. Angelika Dura, die neben der Schulmedizin auch reichlich Kenntnis in der Akupunktur und TCM (Tradtionell Chinesischen Medizin) besitzt. Sie berichtete den Teilnehmern von der Entwicklung des Hundes vom Welpen- bis zum Erwachsenenalter. Auch die Themen Impfungen, Krankheiten, sowie Parasitenbefall wurden angesprochen. Auch hier zeigten sich die Teilnehmer äußerst interessiert und bekamen viele nützliche Tipps und Anregungen, hatten doch die meisten mit Hunden eher noch wenig zu tun gehabt.
Doch auch wir Halter von Führhunden konnten einiges dazu lernen, so hatten z. B. die wenigsten von uns eine Ahnung davon, wie man beim Hund am besten den Puls misst. Dieser ist wie beim Menschen auch bei Hunden sehr unterschiedlich. Die Labradordamen Ella, Grace und auch Bruno kamen zum Einsatz, damit die Teilnehmer sehen konnten, wo sie den Hund an der Innenseite der Schenkel berühren mussten, um den Puls zu finden. Aufgrund der Hitze war der Pulsschlag bei den meisten Hunden sehr herab gesetzt.

 

Als der Vortrag zu Ende war, verließen die Teilnehmer mit einer Fülle an Informationen den Seminarraum und jeder hatte reichlich Stoff zum Nachdenken.

Beim gemeinsamen Abendessen war der Vortrag von Frau Dura noch mal ein großes Thema. Einige Teilnehmer äußerten Bedenken, ob sie imstande wären, für ihren Hund alles zu tun, was für seine Gesundheit nötig ist. Die anwesenden – schon erfahrenen Führhundhalter – taten ihr bestes, die Teilnehmer diesbezüglich zu beruhigen.

 

Auch dieser Abend klang wieder bei kühlen Getränken und frischer Sommerabendluft aus.

 

Am Sonntagmorgen trafen sich dann alle Teilnehmer, die Führhundhalter mit ihren Hunden schon um 06:45 Uhr, denn es sollte noch heißer werden. Die Hunde genossen den Spaziergang in den Feldern, die nahe des Hotels Berghof liegen.

 

Nach dem Frühstück begann dann gegen 9 Uhr Frau Almut Schrader ihren Vortrag zum Thema Gespannprüfungen. Sie berichtete den Teilnehmern, wie man Gespannprüfer wird, wie sich die Prüfung zusammensetzen kann, wer Mitglied der Kommission ist und was im Protokoll stehen muss.
Auch hier bekamen die Teilnehmer ihre Fragen wieder in gewohnt kompetenter Weise beantwortet.

 

An Frau Schraders Vortrag schloss sich dann – wie bei solchen Seminaren üblich – eine Manöverkritik an. Die Teilnehmer zeigten sich durchweg zufrieden mit dem Seminar und zwei berichteten, dass sie sich nun näher mit dem Thema Führhund beschäftigen würden. Einer der Teilnehmer wird in einem Monat seine Einschulung antreten.

 

Ich fand die Veranstaltung rundherum gelungen und kann nur jedem Führhundinteressenten empfehlen, so etwas einmal mit zu machen. So geht man nicht zu „blauäugig“ daran, sich für oder gegen einen Führhund zu entscheiden. Zwei der Teilnehmer waren z. B. nach dem Seminar ganz sicher, dass ein Führhund momentan nicht in ihre Lebenssituation passt, was ihnen bei dieser Veranstaltung noch einmal deutlich wurde.
Selbst wenn man schon einige Jahre einen Führhund hat, wie die anwesenden Halter, konnte man viel aus den Vorträgen der Referenten für sich selbst mitnehmen.

 

Bericht von Sascha Schulze
Mitglied des Arbeitskreises für Führhundangelegenheiten
im Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e. V.    

 

Fotos: Gerlinde Pöllmann mit freundlicher Unterstützung
der anwesenden Führhundehalter und Intereressenten, sowie
Eva Rehm, Schule für Blindenhunde und
Thomas Becher, Blindenführhundeschule Becher

 

Wir bedanken uns bei der Lotterie-GlücksSpirale
für die Unterstützung und Förderung!

 

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ANMERKUNG:


Falls Sie sich für einen Fühhund interessieren und ein Info-Seminar besuchen möchten lassen Sie es uns wissen:
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Wir starten mit der Planung unseres nächsten Info-Seminars, sobald sich ausreichend viele Interessenten gemeldet haben.



Autor: root -- 14.10.2010 10:06:55


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