11. Rehabilitationshundehalterseminar vom Verein Reha-Dogs in Altötting - www.dogxaid.org

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11. Rehabilitationshundehalterseminar vom Verein Reha-Dogs in Altötting

 

Gekürzter Text mit freundlicher Genehmigung von Gloria Petrovic, Reha-Dogs, Wien.
Originalversion siehe
http://members.aon.at/reha-dogs/

 

Vom 25.08. – 29.08.2010 fand im Haus St. Elisabeth in Altötting das 11. Rehabilitationshundehalterseminar der Freunde der Rehabilitationshunde Europas statt.

Mit meinem Blindenführhund Bruno (gelber Labrador) reiste ich am 25.08. gegen 16 Uhr in Altötting an.

Dort angekommen bezog ich mein Zimmer und wenig später ging’s auch schon los mit der Orientierung in der näheren Umgebung. Marianne Kern, eine Mobilitätstrainerin aus Wien, die uns während des ganzen Seminars zur Verfügung stand, zeigte den anwesenden Führhundhaltern, wo sie die Hunde zum lösen hinführen konnten und erklärte ihnen das Haus und seine nähere Umgebung.

 

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Es waren fünf Führhundhalter mit ihren Hunden, drei Labradore, ein Golden und eine Schäferhündin, sowie eine Dame mit Signalhund – einer schwarzen Labihündin – anwesend.
Desweiteren Sabine Muschl, Führhundausbilderin aus der Nähe von Wien, die einen Pudelwelpen dabei hatte, sowie einen Führhund in Ausbildung – weißer Schäferhund – mit seinem zukünftigen blinden Herrchen.
Auch die Mobilitätstrainerin, Frau Marianne Kern, der Führhundausbilder Anton Es, genannt Zvone aus Slowenien, sowie Gloria und Wolfgang Petrovic (Verein Reha-Dogs) und Gerlinde Pöllmann vom Verein Dogxaid e.V. nahmen an der Vorstellungsrunde teil. Außerdem waren Frau Inge Ungerböck – Begleitung von Frau Dr. Wanecek, sowie Josef Felbabel, der uns allen als Begleiter zur Verfügung stand und Gina Johnigk, die Begleiterin von einem der Führhundhalter anwesend.

Vom deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband war Frau Sabine Häcker, die seit Mai diesen Jahres für die Belange von Führhundhaltern zuständig ist, gekommen.

 

Signalhündin Luna  

 

Bild 1: Signalhündin Luna

 

 

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Am Donnerstag Vormittag begann das Programm um 9 Uhr. Unterordnung in der Gruppe stand auf dem Programm. Es galt die Hunde ins Platz zu legen, bleiben zu lassen, um dann von ihnen weg zu gehen. Eine weitere Übung bestand darin, die Hunde abzulegen, sich ein ganzes Stück weit zu entfernen und sie dann zu sich zu rufen. Desweiteren ging man mit seinem Hund an anderen Hunden vorbei, während diese liegen bleiben mussten.

 

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Nach der Unterordnung stand dann ein Hindernisparcours auf dem Programm. Hund und Halter mussten einen Parcours durchlaufen, in dem Hindernisse aufgebaut waren, wie sie so oder so ähnlich im Alltag vorkommen könnten. Natürlich war das Material aus dem diese Hindernisse gebaut waren so weich, dass nichts hätte passieren können, auch wenn man mal dran gestoßen wäre. Bruno wollte anfangs nicht recht durch den Parcours gehen und auch alle anderen Hunde, die so etwas noch nie getan hatten waren wohl der Ansicht, ihre Menschen würden einen gravierenden Fehler begehen. Warum durch eine Masse von Hindernissen gehen, wenn man prima außen herum gehen konnte. Aber mit einigem guten Zureden gingen alle durch. Die Halter bekamen von Zvone Feedback, wie der Hund reagierte, wie er die Hindernisse anzeigte, wie man selbst auch als Halter reagierte, wann man besser eingreifen sollte, wann man dem Hund aber auch mehr Freiheit lassen sollte. Ich bekam z. B. gesagt, dass mein Lob an Bruno oft zu spät kommt oder dass ich in anderen Situationen wieder zuviel mit ihm rede. Auch bekam man bei diesem Parcours mal ganz deutlich mit, was der Hund im Alltag eigentlich leistet. Ich absolvierte mit Bruno den Parcours zweimal, und beim zweiten Mal ging’s schon besser, und er wusste, was von ihm erwartet wurde.

 

Sascha und Bruno im Parcours  

 

Bild 2: Sascha und Bruno am Ende des Parcours

 

 

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Gegen 11 Uhr hatte ich meine Trainingsstunde mit Frau Kern.
Wir gingen ein Stück durch den Ort und sie erklärte mir den Weg zu einem Wanderweg an einem Bach entlang, wo die Hunde frei toben konnten. Dabei beobachtete sie Brunos und meine Kommunikation als Führgespann.

 

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Um 15 Uhr hatte ich meine Trainingsstunde mit dem Führhundausbilder Zvone. Der wollte am ersten Tag sehen, wie das Gespann harmoniert, wie Hund und Halter kommunizieren. Wir gingen eine einfache Strecke durch Altötting, wo Bruno die üblichen Dinge wie Seitenhindernisse, Boden- und Höhenhindernisse beachten musste. Zufällig kamen wir auch an einer Baustelle vorbei, die ich nicht wirklich mit bekam, wo mir der Trainer später aber sagte, dass Bruno ganz souverän vom Bord gegangen ist und die Baustelle umrundet hat. Auch bei dieser Trainingseinheit bekamen wir wieder Feedback. So bekam ich gesagt, dass mein Schlingel gern mal den Weg des geringeren Widerstandes geht und beispielsweise auf dem Gehsteig parkende Autos lieber außen herum als innen auf dem Gehsteig umrundet. Natürlich werde ich in Zukunft wieder mehr darauf achten.

 

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Gegen 20 Uhr fanden wir uns alle wieder im Begegnungszentrum ein, wo wir einen Vortrag zum deutschen und österreichischen Führhundwesen hörten.

Frau Sabine Häcker vom DBSV begann mit einer Schilderung über die Situation in Deutschland: Finanzierung des Führhunds durch die Krankenkassen, Gespannsprüfungen und deren Durchführung, sowie die Präqualifizierung waren Thema ihres Vortrags. Da sie selbst als Gespannprüferin arbeitet, schilderte sie auch, wie eine Prüfung bei ihr abläuft.
Auch das Thema – soll ein blinder Sachverständiger mit dem Hund vor der Auslieferung gehen – war Thema.

Anschließend berichtete Gloria Petrovic vom Verein Reha-Dogs über das Führhundwesen in Österreich. Die Anzahl der Führhundschulen im Land, die Team- und Qualitätsprüfung des Hundes und deren Ablauf, sowie die Finanzierung der Hunde durch Sponsoren waren Thema. Auch berichtete sie über die Vorgehensweise des blinden Sachverständigen, der den Hund testet.

 

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Am Freitag nach dem Frühstück hatten wir wieder Unterordnungsübungen in der Gruppe.
Inzwischen hatten wir noch personelle Verstärkung bekommen. Vom Verein Dogxaid war nun Alexander Spörr anwesend, der Freitag und Samstag als Begleiter zur Verfügung stand.

Und aus München war Frau Linda Erdl mit ihrer Servicehündin Tara gekommen, die uns ebenfalls tatkräftig unterstützte.

 

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Anschließend absolvierte ich mit Bruno wieder den Parcours. Der war vom Ehepaar Petrovic noch mal etwas verändert worden, so dass sich die Hunde wieder auf neue Situationen einstellen mussten. So war z. B. ein Höhenhindernis eingebaut, das nicht so ohne weiteres erkennbar war. Bruno wollte anfangs erst mal nicht voran gehen, aber er ließ sich weit schneller motivieren als am Donnerstag. Und wir absolvierten den Parcours auch an diesem Tag wieder zweimal.

 

Sascha und Bruno an der simulierten Baggerschaufel  

 

Bild 3: Sascha und Bruno am gefährlichen Hindernis

 

 

Um elf Uhr hatte ich dann meine Trainingsstunde mit Zvone.
Wir gingen in den Ort und er machte sich ein Bild darüber, wie Bruno auf Hörzeichen reagiert, wenn er Dinge anzeigen soll.
In einer Bank sollte er den Schalter suchen. Der war besetzt und Bruno stellte sich ordentlich hinten an, das war in Ordnung. Nur wollte er dann nicht gleich wieder zum Ausgang und zeigte mir alles Mögliche an, bis er verstand, dass wir in der Bank nichts zu erledigen hatten, das also nur ein Versuch war.

Wir gingen weiter und ließen uns eine Ampel anzeigen, überquerten eine Straße. Zvone forderte mich dann auf, Bruno rechts in eine Tiefgarage abbiegen zu lassen, was er tat, aber auf einmal stehen blieb. Ich wusste nicht warum, tastete, merkte aber nicht gleich, dass dort eine Schranke in Hüfthöhe war, die uns das weiter gehen verwehrte. Als ich es merkte, wurde Bruno natürlich tüchtig gelobt. Auf unserem Weg hatten wir auch eine Hundebegegnung, bei der Bruno etwas reagierte, indem er schneller wurde, es brauchte aber nur ein „Aufpassen!“ von meiner Seite und er konzentrierte sich wieder völlig.

 

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Nach dem Abendessen trafen wir uns wieder im Begegnungszentrum, wo Frau Linda Erdl uns einen Vortrag über ihre Arbeit mit Kleinsthunden und das Dog Dancing hielt.

 

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Am Samstag nach dem Frühstück absolvierten die meisten von uns noch einmal den Hindernisparcours, da dieser gegen Mittag abgebaut werden sollte. Bruno hatte „gelernt“ und absolvierte den Parcours jetzt ohne zögern. Wo ich ihm gestern an einer Absperrung noch eine Hilfe geben musste, indem ich ihn aufforderte, links den Weg zu suchen, anstatt zu versuchen, wieder zurück zu gehen, war das nun nicht mehr nötig.

 

Bruno wartet auf die nächste Herausforderung

 

Bild 4: Bruno

 

 

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Nach dem Mittagessen fand ein sog. Juxturnier statt, das Sabine Muschl organisierte. 9 der Hunde mit ihren Haltern nahmen teil. Bei dem Turnier gab es vier Stationen:

 

Zuerst musste man mit seinem Hund, der bei Fuß an der Leine laufen sollte, an einer Schnur vorbei laufen, an der Wurststücke aufgehängt waren. Leckerlis vom Halter waren als Ablenkung erlaubt.

 

Linda und Tara in der Würstelgasse  

 

Bild 5: Linda und Tara in der Würstelgasse

 

 

Die zweite Station bestand darin, dass der Hund einen Ball, einen Gummiquietschi, sowie eine Metallkette aus einer Schüssel heraus apportieren sollte. Wenn er es nicht tat, musste sich der Halter die Schuhe ausziehen und die Dinge mit den Füßen heraus holen.

 

Linda und Tara an der Schüssel mit Spielzeug und Kette  

 

Bild 6: Linda und Tara an der Station 2

 

 

Bei der dritten Station zog man aus einem Stapel Zettel einen heraus, auf dem stand, wo man seinen Hund berühren sollte. Wenn man die richtige Stelle gefunden hatte – alle Teilnehmer liefen unter Sichtentzug und so wusste keiner, was auf dem Zettel stand- wurde man mit einem Klicker bestärkt.

An der vierten Station sollte man seinem Hund ein Halstuch umbinden und eine Sonnenbrille aufsetzen und dann so schnell wie möglich ins Ziel laufen. Für alle war es ein großer Spaß.

Die Labis interessierten sich mehr für die Leckerlis ihrer Halter, als für die aufgehängten Wurststücke. Nur eine Schäferhündin zeigte etwas mehr Interesse für die Wurst.
Die Metallkette bei der zweiten Station wollte kein Hund apportieren, so dass sich die Halter die Schuhe ausziehen mussten.

Linda Erdl, sie ist Rollstuhlfahrerin, deren Hündin die Kette auch nicht apportieren wollte, löste das Problem so, dass sie sich runter beugte und die Kette selbst mit den Zähnen aufnahm.

 

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Am Sonntag traten wir mit vielen neuen Erkenntnissen und Erfahrungen wieder die Heimreise an und

– zumindest unsere Hunde – waren rechtschaffen müde.

 

Sascha Schulze

 

 

Text mit freundlicher Genehmigung von Sascha Schulze mit Führhund Bruno

Fotos von Linda Erdl mit freundlicher Genehmigung Linda Erdl, http://www.hundeschulelittlefoot.de

 

Fotos G. Pöllmann und A. Spörr, Dogxaid e.V.



Autor: root -- 17.09.2010 8:44:05


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